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Amazon AWD in Europa: Neue Lagerlösung für Händler
Seit dem 20. August 2026 ist Amazon Warehousing & Distribution (AWD) auch in Europa verfügbar. Mit dem neuen Logistikprogramm bietet Amazon Händlern zusätzliche Lagerkapazitäten und eine automatisierte Belieferung der bestehenden FBA-Logistikzentren. Besonders für Unternehmen mit großen Warenbeständen oder saisonalen Verkaufsspitzen kann das interessant sein. Neben logistischen Vorteilen sollten Händler allerdings auch die umsatzsteuerlichen Auswirkungen berücksichtigen.
Stand: 17. Oktober 2026 · Von Julian Richer, Steuerberater für E-Commerce
Was ist Amazon AWD und wie funktioniert es?
Amazon AWD ist eine vorgelagerte Lagerlösung, mit der Händler größere Warenmengen langfristig innerhalb des Amazon-Logistiknetzwerks lagern können.
Anders als beim klassischen Fulfillment by Amazon (FBA) werden die Waren nicht unmittelbar für den Versand an Endkunden bereitgehalten. AWD dient vielmehr als Vorratslager, aus dem die regulären FBA-Logistikzentren automatisch mit neuen Beständen versorgt werden.
Der Warenfluss sieht vereinfacht folgendermaßen aus:
Lieferant → Amazon AWD → Amazon FBA → Endkunde
Amazon überwacht die Lagerbestände und organisiert die bedarfsgerechte Nachbelieferung. Dadurch können Händler größere Warenmengen vorhalten, ohne sämtliche Produkte unmittelbar in den FBA-Zentren einlagern zu müssen.
Welche Voraussetzungen gelten für Amazon AWD?
Zum europäischen Marktstart steht AWD berechtigten Verkäufern auf den Marktplätzen Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien zur Verfügung.
Für die Teilnahme am EU-Programm gelten insbesondere folgende Voraussetzungen:
- Aktives Amazon-FBA-Verkäuferkonto
- Berechtigte Produkte im Pan-EU-FBA-Programm
- Umsatzsteuerregistrierung in Deutschland
- Zusätzliche Umsatzsteuerregistrierung in Frankreich, Italien, Polen oder Spanien
Das europäische AWD-Programm nutzt Deutschland als Lagerstandort. Für Großbritannien besteht ein eigenständiges Programm mit gesonderten Anforderungen.
Damit richtet sich AWD vor allem an etablierte Amazon-Händler, die bereits international verkaufen und entsprechende Lagerstrukturen nutzen.
Welche Vorteile bietet Amazon AWD?
Der wesentliche Vorteil liegt in der Kombination aus langfristiger Lagerhaltung und automatisierter Warenverteilung.
Händler können größere Warenbestände zentral vorhalten und ihre FBA-Lager nach Bedarf auffüllen lassen. Dadurch lassen sich Lieferengpässe reduzieren und Bestände besser auf saisonale Verkaufsspitzen abstimmen.
Auch die Lagerkosten können sich verändern. Amazon bietet für AWD eine eigene Gebührenstruktur, die sich von der klassischen FBA-Lagerung unterscheidet.
Besonders interessant für das Weihnachtsgeschäft 2026: Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 verzichtet Amazon bei berechtigten AWD-Lagerbeständen auf die Lagergebühren. Kosten für Wareneingang, Warenausgang und Transport fallen weiterhin an.
Ob sich AWD wirtschaftlich lohnt, hängt daher vom Warenvolumen, der Lagerdauer und den zusätzlichen Logistikkosten ab.
Welche umsatzsteuerlichen Auswirkungen hat Amazon AWD?
Aus steuerlicher Sicht ist insbesondere entscheidend, wo sich die Waren befinden und zwischen welchen Staaten sie bewegt werden.
Das europäische AWD-Programm sieht zunächst die Lagerung in Deutschland vor.
Transportiert beispielsweise ein österreichischer Händler eigene Waren von Österreich in ein deutsches AWD-Lager, liegt grundsätzlich ein innergemeinschaftliches Verbringen vor.
Dieses ist umsatzsteuerlich einer innergemeinschaftlichen Lieferung gleichgestellt und führt im Bestimmungsland zu einem innergemeinschaftlichen Erwerb.
Werden die Waren anschließend in FBA-Lager anderer EU-Mitgliedstaaten weitertransportiert, können zusätzliche steuerlich relevante Warenbewegungen entstehen. Die konkrete Behandlung hängt vom verwendeten FBA-Programm und den jeweils anwendbaren umsatzsteuerlichen Regelungen ab.
Entscheidend ist daher nicht nur der Verkauf an Endkunden, sondern auch die tatsächliche Bewegung der eigenen Warenbestände.
EU-OSS: Vereinfachung ab 2028 geplant
Über das bestehende EU-OSS-Verfahren können derzeit bestimmte grenzüberschreitende B2C-Umsätze zentral erklärt werden. Innergemeinschaftliche Warenverbringungen zwischen eigenen Lagerbeständen sind darüber bislang nicht meldefähig.
Mit der EU-Reform VAT in the Digital Age (ViDA) wird ab dem 1. Juli 2028 eine zusätzliche OSS-Sonderregelung für das Verbringen eigener Gegenstände eingeführt.
Dadurch sollen sich die umsatzsteuerlichen Erklärungspflichten für internationale Lagerbewegungen vereinfachen. Ob einzelne ausländische Umsatzsteuerregistrierungen künftig entfallen können, hängt allerdings vom jeweiligen Geschäftsmodell ab.
Was bedeutet AWD für die E-Commerce-Buchhaltung?
Mit zusätzlichen Lagerbewegungen steigen auch die Anforderungen an die Buchhaltung.
Händler müssen nachvollziehen können, wann Waren in ein AWD-Lager eingebracht, an FBA-Zentren weitergeleitet und schließlich an Endkunden verkauft werden.
Gerade bei automatisierten Warenbewegungen ist die strukturierte Verarbeitung der Amazon-Bestands- und Transaktionsdaten entscheidend. Geeignete Schnittstellen helfen dabei, die Daten korrekt zuzuordnen und steuerliche Meldungen vorzubereiten.
Fazit: Mehr Flexibilität, aber auch steuerliche Verantwortung
Amazon AWD erweitert die logistischen Möglichkeiten für internationale Amazon-Händler. Gerade Unternehmen mit größeren Warenbeständen können von der automatisierten Nachbelieferung profitieren.
Vor der Teilnahme sollten allerdings die tatsächlichen Lagerländer, umsatzsteuerlichen Pflichten und buchhalterischen Prozesse überprüft werden.
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